Spielkarten Arten – Welche Karten-Typen gibt es?

Spielkarten sind bedruckte rechteckige Kartonstücke in handlichem Format, oft etwa 6 – 9 cm, die auf der Vorderseite mit Bildern, Wertangaben und Symbolen bedruckt sind und auf der Rückseite ein einheitliches Motiv aufweisen, so dass der Wert der umgedrehten Karte nicht erkennbar ist. Das Motiv der Vorderseite ist häufig punktsymmetrisch, damit die Karten auch „auf dem Kopf stehend“ lesbar sind. Nachfolgend eine Aufstellung der am häufigsten verbreiteten Spielkarten in der westlichen Welt:

Französisches Blatt / Farbsystem

  • Entstehung: um 1480 in Frankreich
  • Farben: Herz, Karo, Pik, Treff
  • Kartenwerte: König, Dame, Bube, 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1 (= As); [Joker]
  • (4 x 13 = 52 Karten, meist As = 1  höchste Karte, teilweise 10 zweithöchste Karte)

Welche Symbolik haben die Bilder des französischen Blattes?

Französisches Blatt




Die Bildkarten Bube (Bauer), Dame und König stellen verschiedene historische Personen dar:

  • Kreuzkönig: Alexander der Große
  • Pikkönig: David (König von Israel)
  • Herzkönig: Karl der Große
  • Karokönig: Julius Caesar
  • Kreuzdame: Argine, ein Anagramm aus regina (lat. Königin), dies oft für Maria (Mutter Jesu)
  • Pikdame: Pallas Athene (griechische Göttin der Weisheit)
  • Herzdame: Judit (biblisches Ideal der Frömmigkeit)
  • Karodame: Rachel (biblische Figur als Ideal der Schönheit)
  • Kreuzbube: Sir Lancelot, der Ritter aus der Artussage
  • Pikbube: Hogier, ein Vetter Karls des Großen
  • Herzbube: La Hire, ein Soldat an der Seite von Jeanne d’Arc
  • Karobube: Hector de Trois oder Roland, ein Paladin Karls des Großen

Deutsches Blatt / Farbsystem (Einfachdeutsche Karten)

  • Entstehung: um 1460 im deutschen Sprachraum
  • Farben: Herz (Rot), Schelle, Laub (Grün, Gras), Eichel
  • Kartenwerte: König, Ober (Dame), Unter (Bauer), 10, 9, 8, 7, 6 (Schelle 6 wird auch als „Weli“ bezeichnet), 2/11 (= Daus / Sau / Ass)
  • (4 x 9 = 36 Karten, meist Daus = 2 höchste Karte, teilweise 10 zweithöchste Karte)
  • Verwendung: Jassen

Mitteleuropäisches / Doppeldeutsches Blatt

Vom Prinzip her ähnlich den einfachdeutschen Karten, jedoch in der Mitte gespiegelt, was sie von beiden Seiten leichter erkennbar macht.

  • Entstehung: zur Zeit der ungarischen Aufstände gegen die Habsburger wurden Figuren aus der Wilhelm Tell Sage verwendet, da dieser ja auch gegen die Habsburger gekämpft hatte.
  • Farben & Kartenwerte: wie Deutsches Blatt

Verwendung:

Welche Symbolik haben die Bilder des Doppeldeutschen Blattes?

Doppeldeutsches Blatt

Interessanterweise ist das doppeldeutsche Blatt in der Schweiz selber beinahe unbekannt, trotz der Darstellung von Wilhelm Tell Figuren auf den Karten selber.

(Quelle: Wikipedia)

Unter, Ober und Daus jeder Farbe zeigen jeweils eine bestimmte Person (Unter, Ober) aus Friedrich Schillers Drama Wilhelm Tell oder eine Jahreszeit (Daus). Diese sind:

Herz

  • Unter: Kuoni der Hirt
  • Ober: Hermann Gessler
  • Daus: Frühling, eine Blumen pflückende junge Frau

Schellen

  • Unter: Itell Reding
  • Ober: Stüssi der Flurschütz
  • Daus: Sommer, eine Heu mähende junge Frau mit Sichel

Grün

  • Unter: Walter Fürst
  • Ober: Ulrich Rudenz
  • Daus: Herbst, zwei Jungen, die Weintrauben verarbeiten

Eichel

  • Unter: Rudolf Harras
  • Ober: Wilhelm Tell
  • Daus: Winter, eine alte Frau, die Feuerholz trägt